Inhalt
Steckbrief
- Region
- Vorderrhön
- Kommune
- Geisa
- Ortsteil
- Buttlar
- Bezeichnung
- Alte Schule
- Adresse
- Kirchstraße 5
Liebe zum Denkmal
Alte Schule Buttlar
Das unmittelbar neben der neoromanischen Dorfkirche Mariä-Geburt in Buttlar stehende alte Schulgebäude ist längst ein Lichtblick im Ort. Seine Instandsetzung hat das Dorfzentrum aufgewertet. Die unmittelbare Nachbarschaft beider Gebäude ergänzt sich gegenseitig und gibt der Dorfmitte räumliche Würde. Um das Domizil der Dorfschule rankt die Geschichte, dass das Haus von 1927 bis 1952 die Wohnstätte des Dorfschullehrers und Heimatdichters Karl Winfried Winter war, der sich um das Dorf und die Gegend verdient gemacht hat, sodass auch eine Straße im Dorf nach ihm benannt ist. Eine kleine Gedenktafel an einem Zaunpfosten aus Sandstein am Eingang zu dem Anwesen verweist auf diesen Sachzusammenhang. Der Dorfschullehrer dürfte das Leben in der Schule und im Dorf maßgeblich mitgeprägt haben. Sein Nachfahre Hubert Winter hat das Haus gemeinsam mit seiner Ehefrau Elisabeth nach den friedlichen Veränderungen um 1989 von der Gemeinde übernehmen können, um sich ihm mit Leidenschaft hinzugeben.
Das ca. 1870 erbaute Schulgebäude muss als das seltene Zeugnis eines ländlichen Schulbaus im Wartburgkreis bewertet werden. Mit seinem, inzwischen größtenteils rekonstruierten Schul- und Hausgarten dokumentiert es die räumliche Nähe und Korrespondenz von Kirche und Schule, von Religion und Bildung, was prägend gewesen sein dürfte für die damaligen Schülerinnen und Schüler. Daraus erklärt sich heute die Präsenz eines schützenswerten Kulturdenkmals. Sowohl historische als auch volkskundliche Gründe belegen den Denkmalwert, doch auch das Gebäude selbst ist ein Dokument historisch herausragender Dorfbildpflege mit entsprechendem Freiraum. „Als wir das Haus übernommen haben, war es in einem erbärmlichen Zustand. Mit unserer Liebe zum Denkmal wurde die Sanierung über die Jahre zu einer Berufung“, erklären Hubert und Elisabeth Winter, die beide von Beruf Bauingenieure sind und als solche auch bis zum Eintritt in die Rente tätig waren.
Der klare Gebäudekörper wird auf einem Rhöner Buntsandsteinsockel als zweigeschossiger, giebelständiger Fachwerkbau ausgebildet. Unterkellert ist der Bau im vorderen Bereich von einem tonnengewölbten Keller. Dieser dürfte etwa aus dem 17. Jahrhundert stammen und damit deutlich älter sein, als das, nach einem ca. 1867 stattgefundenen verheerenden Brand, dem neben der vormals barocken Kirche auch das alte Schulhaus zum Opfer fiel, darauf aufgesetzte neuere Schulgebäude. Der Westgiebel ist mit einer Schalung aus für die Rhön typischen Schwalbenschwanzschindeln und Wettbrettern aus Buchenholz vollständig verkleidet. Dem Ostgiebel und dem Unterstock der nördlichen Traufseite wird eine massive Erneuerung mit Putz aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zugesprochen. Der Oberstock der nördlichen und die südliche Traufseite konnten fachwerksichtig gestaltet werden. Das sichtbare Fachwerk ist von regelmäßigen, unaufgeregten Ständern und Riegeln bestimmt. Große Andreaskreuze und Streben an den Eckständern unterstützen die Gelassenheit des Charakters des gesamten Bauwerks, das, wie selbstverständlich, von einem Satteldach mit einer Neigung von ca. 45o abgedeckt wird. Die Dacheindeckung besteht aus Doppelmuldenfalzziegeln E 30 der Firma Eisenberger, mit denen in früherer Zeit in der Region viele Dächer eingedeckt worden sind. Auch der umlaufende Ortgang erfuhr eine eingehende Nachbearbeitung.
Eine Podesttreppe aus Granitblockstufen lässt den Zugang zum Inneren des ehemaligen Schulhauses zu einem vorbereitenden Erlebnis werden, das sich vom Freiraum stufenweise absetzt. Es folgt, der Logik einer Schule entsprechend, ein empfangendes großräumiges Foyer mit Treppenhaus, welches ca. 1/3 des umbauten Raumes des Schulhauses einnimmt. Daneben, im Untergeschoss, befinden sich ein größerer, ehemaliger Schulraum, der heute als Wohnraum genutzt wird sowie ein kleines Schlafzimmer, ein kleines Bad und eine große Wohnküche. Im Obergeschoss, zu dem man über eine stattliche hölzerne Podesttreppe gelangt, und in dem vormals die Wohnung des Dorfschullehrers war, befinden sich weitere Wohnräume. Auf dem Dachboden, unter einem hier liegenden(!) Dachstuhl, ist eine Kammer für Gäste zu finden. Erneuert wurde der Bau mit zweiflügeligen, mit Sprosse sowie funktionsfähigem Oberlicht versehenen, denkmalgerechten, Holzfenstern, die denen, die ursprünglich bestanden, in Form und Aussehen weitgehend entsprechen, daneben aber auch heutigen Anforderungen an Wärmedämmung gerecht werden. Die nach historischem Vorbild neu hergestellte, in Form und Farbgebung ansprechende, „Lamperie“ im Foyer sowie die zu einem kleinen Teil noch vorhandenen, ansonsten nach Vorbild neu hergestellten, entsprechend farbigen Füllungstüren aus Massivholz, prägen die Innenatmosphäre. Aus der Verwendung natürlicher Materialien entsteht eine regional unverwechselbare Ausstrahlung.
Bedeutsam für die Wirkung des ehemaligen Schulgebäudes ist der umgebende Freiraum. Ein mit Mosaik- und Kleinpflastersteinen gepflasterter großer Hof verleiht dem von der Straße ca. 30 m zurückgesetzten, neben der Kirche stehenden Bau und seiner, mit Holzschindeln und Wettbrettern verkleideten, mit salzgrüner Lasur versehenen Westfassade eine besondere Wirkung. Der einladende Hof wird auf der rechten Seite vom Schulgarten begrenzt. Auf der linken Seite befinden sich zwei einstöckige Nebengebäude mit Satteldach, die als Garagen und zur Unterbringung der Heizung dienen. Sie sind in Größe und Aussehen der dort ursprünglich vorhandenen Scheune, Stall und Toiletten weitestgehend nachempfunden. Seinen öffentlichen Charakter bekommt der Hof durch einen am oberen Ende, auf der rechten Seite, vorhandenen Brunnen aus Sandstein, der, verschattet von einer inzwischen mächtigen Robinie, den Platz markiert. Drei Rotdornbäume davor flankieren, vom Hofeingang herkommend, die Grenze zwischen Hof und „Schulgarten“.
Der „Schulgarten“ wurde gleichsam ernst genommen. Mit geometrisch geordneten Beeten, die mit zahlreichen Blumenstauden, Gemüse, Beerenobst und Sträuchern, wie wolliger Schneeball, Flieder, Weißdorn und Jasmin, bepflanzt sind sowie Wegen, die mit Mosaikpflaster aus Granit gepflastert und mit Randsteinen aus Sandstein eingefasst sind, erinnert dieser an einen hochwertigen Bauerngarten. Buchsbaumpflanzungen unterstreichen das Gärtnerische.
Den „Schulgarten“ und den sich daran anschließenden Hausgarten trennt ein ca. 2 m breiter, mit Mosaikpflaster aus Granit gepflasterter und mit Randsteinen aus Granit eingefasster Weg. Dieser führt vom Schulhaus und dessen Eingang her direkt zur Kirche und endet an der Grundstücksgrenze, am Übergang zum Kirchengrundstück, mit einem stattlichen Portal aus scharriertem Sandstein, an dem sich ebenfalls eine kleine Gedenktafel befindet.
Der Hausgarten umgreift das Schulgebäude von drei Seiten. Gepflasterte Wege und Mauern aus Sandstein sorgen auch hier für Nutzungsklarheit. Die Wiesenflächen sind mit hochstämmigen Obstbäumen (verschiedene alte Apfelsorten, Gemeine Hauszwetsche) und heimischen oder seit langem heimisch gewordenen Sträuchern (Flieder, Kornelkirsche, Haselnuss, Holunder, Felsenbirne, Pfaffenhütchen) bepflanzt. An der Grundstücksgrenze zwischen Schule und Kirche wurde hier ein ca. 4,50 m tiefer Brunnen aus Sandsteinmauerwerk entdeckt und freigelegt.
Prägend und gestalterisch hochwertig konnte auch die gesamte Einfriedung nach historischem Vorbild rekonstruiert werden. Diese besteht aus einem ca. 120 cm hohen Holzlattenzaun, thüringisch-fränkischer Bauart, auf einer ca. 40 cm hohen und ca. 20 cm breiten, oben leicht abgerundeten, Mauer aus Sandstein zwischen Zaunpfosten aus z.T. scharriertem Sandstein mit einem Kopf in Form eines Pyramidenstumpfes.
An verschiedenen Stellen der mit Granitpflaster befestigten Flächen, verteilt über das ganze Grundstück, befinden sich Bänke aus massivem Sandstein nach historischem Vorbild, welche zum Verweilen einladen.
Mit seinem ländlichen Grundcharakter unterstützen der Schul- und Hausgarten so das Schulgebäude bestens. Was für ein Gewinn für Buttlar.
Gut gelungen:
- Das Schulgebäude wurde durch Freilegung des Sichtfachwerks und mit stimmiger Farbgebung ein die historische Dorfmitte prägender Akzent
- eindrucksvoll ist die Holzverkleidung mit Holzschindeln und Wettbrettern zum Vorhof hin
- Dacheindeckung mit naturroten Doppelmuldenfalzziegeln
- Wiedereinbau von Holzfenstern nach historischem Vorbild
- Herausstellung des Gebäudes durch ein historisch anmutendes Hofpflaster
- am Eingang zum ehemaligen Schulgebäude wurde eine treffend durchdachte Steintreppe geschaffen
- überzeugend ist das Verständnis für den Freiraum, der viele historische Facetten aufgreift und sichtbar werden lässt