Alte Schule
Scherbda

Steckbrief

Region
Wartburg-Hainich
Kommune
Amt Creuzburg
Ortsteil
Scherbda
Bezeichnung
Alte Schule
Adresse
Schloßstraße 12

Wohnen im Denkmal

Alte Schule Scherbda

Christoph Cron ist vom Fach, was ein Glücksfall für die Alte Schule in Scherbda ist. Im Schatten der Dorfkirche hat der gelernte Maurer und Bauingenieur das jahrhundertealte Schulgebäude nicht nur instandgesetzt, sondern sensibel, mit Respekt zum Bestand und in enger Anlehnung an traditionelle Bauweisen zu einem Wohnhaus für seine Familie umgebaut.

Der giebelständige, zweigeschossige Fachwerkbau mit Krüppelwalmdach wurde ursprünglich in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts über einem mittelalterlichen Kellergewölbe als Schulgebäude errichtet. In den Jahren 1804/05 erfolgte unter teilweiser Verwendung der alten Bausubstanz ein Neubau. Um die Kapazität des Schulgebäudes zu erweitern, wurde es in den 1860er Jahren um ca. 4 m nach Süden erweitert. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Krüppelwalmdach durch ein Satteldach ersetzt, die Fassade verputzt bzw. mit Ziegeln verkleidet. Nach Einstellung des Schulbetriebs wurde 1967 im ehemaligen Klassenraum eine Gaststätte eingerichtet, in die Lehrerwohnung im Obergeschoss zog 1986 ein Jugendclub ein. Nach mehrjährigem Leerstand und einer kurzfristigen Zwischennutzung als Schulungsort für Lehmbauseminare erwarb Christoph Cron das Fachwerkgebäude im Jahr 2004.

Im Rahmen der Sanierungsarbeiten wurde das Sichtfachwerk der Ostseite wieder freigelegt. Wichtig war Christoph Cron der Erhalt bzw. die Wiederherstellung der Schmuckelemente des ansonsten eher schlichten Sichtfachwerks. Hierzu zählen die profilierten Balkenköpfe und die ornamental bemalten Füllbretter sowie farblich angepasste Schiffskehlen, die Christoph Cron nach alten Vorbildern und mit eigener Note wieder herstellen ließ. Die wahrscheinlich aus dem 19. Jahrhundert stammende Haustür wurde sensibel restauriert und farblich in das Gesamtkonzept integriert. Historische, zweiflügelige Fenster – im Obergeschoss mit typischer Schiebevorrichtung - konnten vom Nachbarn erworben werden und tragen zum authentischen Erscheinungsbild des Hauses bei. Als für die Wartburgregion typischer Witterungsschutz wurde der Behang mit traditionellen Tonziegeln vom Süden an die Nordfassade verlegt.

Christoph Cron, Bauherr der Alten Schule in Scherbda

Im ältesten Gebäudeteil mussten zahlreiche Balken ausgetauscht werden. Während diese durch unterschiedliche regionale Hölzer ausgewechselt wurden, kam für den Ersatz der Schwellen ausschließlich Eichenholz zum Einsatz. Das Fachwerk im Obergeschoss des Anbaus der 1860er Jahre musste komplett erneuert werden. Abgängige Gefache wurden entkernt und neu verfüllt. Dabei wurden sowohl Lehmwickel mit Staken als auch Lehmsteine eingesetzt. Um dem Gebäude seine historische Proportion zurückzugeben, wurde das ursprüngliche Krüppelwalmdach wieder hergestellt. Die Dacheindeckung blieb mit den naturroten Doppelmuldenfalzziegeln unverändert.

Das Betonpflaster aus DDR-Zeiten im Hofbereich wurde entfernt und das historische Kalksteinpflaster wieder freigelegt. So korrespondiert das Pflaster harmonisch mit dem Gebäudesockel aus Kalkstein und der Sandsteintreppe des Eingangs. Zur Abgrenzung des Grundstücks wurde ein Holzlattenzaun nach historischer Vorlage errichtet.

Im Inneren war es Christoph Cron wichtig, die vorgefundenen Raumstrukturen zu erhalten und Ausstattungstücke der ehemaligen Schule zu integrieren. Die historischen Dielenfußböden wurden wieder freigelegt und tragen somit zum harmonischen Gesamteindruck bei. Auch der alte Gewölbekeller wurde freigelegt und in seinen ursprünglichen Zustand versetzt – er ist heute ein stimmungsvoller Raum, der die historische Tiefe des Hauses spürbar macht.

„Schon während meiner Maurerausbildung konnte ich viele Erfahrungen in der Denkmalsanierung sammeln und ich hatte schon früh die Absicht, in meinem Heimatort ein altes Gebäude zu sanieren“ berichtet Christoph Cron. „Und auch in meiner Diplomarbeit habe ich mich mit dem Thema Denkmalschutz beschäftigt. Da hatte ich die alte Schule bereits erworben“, ergänzt Christoph Cron.

Mit der Sanierung und Umfunktionierung der alten Schule zum Wohngebäude hat Christoph Cron einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung des historischen Ortsbildes von Scherbda geleistet. Das Fachwerkhaus ist heute ein inspirierendes Beispiel für eine gelungene Sanierung und ein identitätsstiftendes Element im Dorf. Es wurde bereits im Jahr 2007, während der Restaurierungsmaßnahmen, in die Denkmalliste des Landes Thüringen aufgenommen.

Gut gelungen:

  • Freilegung des Sichtfachwerks mit stimmiger Farbgebung für Tür und Fenster
  • Dacheindeckung mit naturroten Doppelmuldenfalzziegeln
  • Fassadenbehang mit traditionellen Tonziegeln
  • Wiederherstellung von Schmuckelementen des Sichtfachwerks
  • Wiedereinbau von Holzfenstern nach historischem Vorbild
  • Freilegung des historischen Kalksteinhofpflasters

Besonderheiten

Denkmalpreis des Wartburgkreises 2008