Vereinsheim
Berka

Steckbrief

Region
Werratal
Kommune
Werra-Suhl-Tal
Ortsteil
Berka
Bezeichnung
Vereinsheim
Adresse
Kirchstraße 6

Zeiten verbinden

Alter Stern Berka

Nicht nur, dass der „Alte Stern“ als eines von wenigen Fachwerkhäusern in Berka den 30-jährigen Krieg überstanden hat, sondern er hat auch kulturhistorische Bedeutung für die heute zur Stadt Werra-Suhl-Tal gehörende Gemeinde. Diente er ursprünglich als Gasthof, in dem sogar Martin Luther am 2. Mai 1521 während seiner Reise von Worms nach Wittenberg einkehrte, wurde es über die Jahre hinweg für unterschiedlichste Zwecke wie das Archiv der gegenüberliegenden Brauerei, als Musikschule oder in den 1990er Jahren als Jugendclub genutzt. Durch den Besuch Luthers wird dieses Haus von den BürgerInnen Berkas auch „Lutherhaus“ genannt. Heute ist der „Alte Stern“ im Besitz der Stadt Werra-Suhl-Tal und beherbergt das Vereinsheim der Gruppe für Natur- und Umweltschutz Berka/Werra e.V..

Das zweistöckige Haus mit Fachwerk im fränkischen Stil setzt sich aus zwei Gebäudeteilen zusammen, die mit zeitlichem Abstand errichtet wurden – einheitlich und doch in den Details verschieden. Der vordere direkt an der Straße liegende Teil, 1510 erbaut, ist älter. Hofseitig wurde der „Alte Stern“ zu späterem Zeitpunkt angebaut. Mit achtsamem Auge lässt sich das an der Struktur des zur Konstruktion verwendeten regionalen Ulmenholzes erkennen. Ist die Oberfläche des älteren Gebäudeteils rauer, ist der neuere Teil glatter bearbeitet. Die Ausfachung erfolgte in beiden Fällen mit Lehmstakung, Lehmsteinen sowie in Teilbereichen mit Ziegelausmauerung und Gefachverputz. Bei den Außenwänden im Obergeschoss konnte das Gefüge größtenteils bis heute erhalten bleiben. Das Fachwerk im Erdgeschoss musste an der Straßen- und östlichen Traufseite erneuert werden. In der westlichen Traufseite war das Gefüge durch zurückliegende An- und Umbauten sowie durch tierischen Befall stark beschädigt worden. Außerdem waren die Holzteile nicht fachgerecht verspachtelt und mit Dispersionsfarbe gestrichen worden. Mit der Instandsetzung des Gebäudes 1986 wurde dies behoben.

Walter Hohmann, langjähriges Mitglied der Gruppe für Natur- und Umweltschutz Berka/Werra e.V.

Im Obergeschoss zeigen sich auch in der Verwendung von Schmuckformen im Fachwerk Unterschiede. Am vorderem Teil der Traufseite zeigt sich der doppelte Wilde Mann, während am hofseitigen Teil das Andreaskreuz hervorsticht. „Die Zweiteilung des Gebäudes zeigt sich bis heute in der Nutzung. Den vorderen Teil nutzen wir als Vereinsheim und Raum für eine Ausstellung zu unserem ehemaligen Gast Martin Luther. Im früheren Jugendclub im hinteren Teil des Gebäudes wurde 2022 Wohnraum geschaffen“ erklärt Walter Hohmann, langjähriges Vereinsmitglied, der auch Führungen zum geschichtsträchtigen Gebäude anbietet.

Ab 1945 wurde der „Alte Stern“ immer wieder saniert und restauriert – der altersbedingte bauliche Verfall und der zwischenzeitliche Leerstand hatten Auswirkungen. Die jüngste Sanierung erfolgte 2015, bei der der Giebel zur Straßenseite inklusive der Ausfachung erneuert wurde. In einfacher Form, aber in hoher Zahl, ziert der Wilde Mann die Giebelseite. Die an der Fassade angebrachten Knaggen übernehmen nicht nur eine schmückende Funktion, sondern übertragen vor allem als Konstruktionselement die Last der überkragenden Obergeschosse auf das Ständerwerk.

Hohlziegel, die im Ursprung einen roten Anstrich aufwiesen, heute witterungsbedingt abgeblättert, zieren seit ca. 1915 das Dach. Das steile Satteldach, typisch für die mittelalterliche Bauweise, ermöglichte es, eine zusätzliche Etage im Innenraum des Daches einzuziehen und so den nutzbaren Raum zu vergrößern.

Der Sockel weist im vorderen Teil den in der Wartburgregion typischen Buntsandstein auf. Durch die Hanglage des Hauses ist dieser zur Straße hin deutlich höher ausgeprägt als zu Hofseite. Auch heute noch zu erkennen ist die 1883 eingemeißelte Jahreszahl 1521. Diese war zum 400. Geburtstag Luthers angebracht worden und erinnert an Luthers Aufenthalt im „Alten Stern“. Der erweiterte Teil wurde auf einem Sockel aus roten Ziegelsteinen aufgebaut.

Die Eingangstür wurde in ihrer heutigen Farbgebung durch Siegfried Tießler aufbereitet. Ihre Position zeigt, dass dieses Haus als „Ernhaus“ errichtet wurde. Hierbei handelt es sich um einen im Mittelalter aufgekommenen Bauernhaustyp, bei dem Wohnraum und Nutzflächen, wie beispielsweise Ställe in einem Gebäude zusammengefasst wurden. Typisch für diesen Haustyp ist die Erschließung über die Traufseite des Gebäudes. „Der „Alte Stern“ zeigt uns durch seine giebelständige Anordnung die Raumbildung und -nutzung einer mittelalterlichen Stadt. Nach dem 30-jährigen Krieg wurde Berka neu aufgebaut und die Häuser traufseitig ausgerichtet“ erläutert Walter Hohmann, der sich seit vielen Jahren um die Pflege und den Erhalt des Baudenkmals kümmert. Die Vortreppe besteht passend zum Sockel ebenfalls aus Buntsandstein. Die alten Holzfenster mit Kämpfer, Drehflügeln, teilweise Schiebeflügel im Oberlicht und Festverglasung im Unterteil wurden restauriert, um ihre für die Wartburgregion typische Struktur zu erhalten.

Gut gelungen:

  • Sanierung des Fachwerks unter Beibehaltung markanter Gestaltungs- und Schmuckelemente
  • Erhalt des Daches inkl. der Giebel
  • Wiederaufbau von abgängigen Fachwerkteilen
  • Aufbereitung der Eingangstür mit neuer Farbgebung
  • Restaurierung der alten Holzfenster