Inhalt
Steckbrief
- Region
- Wartburg-Hainich
- Kommune
- Amt Creuzburg
- Ortsteil
- Wilhelmsglücksbrunn
- Bezeichnung
- Biohotel
- Adresse
- Wilhelmsglücksbrunn 1
Zwischen Barock und Moderne
Biohotel Stiftsgut Wilhelmsglücksbrunn
Direkt am Werratal-Radweg, im Norden des Wartburgkreises liegt das Biohotel Stiftsgut Wilhelmsglücksbrunn mit seinem hofeigenen landwirtschaftlichen Betrieb. Beides sind Tochterunternehmen des DIAKONIA Evang. Betreuungs- und Hilfsverein e.V. Die Gebäude und Anlagen werden seit 1999 mit viel Energie und Liebe zum Detail saniert, umgebaut und erweitert.
Lange bevor der DIAKONIA e.V. das Gut Mitte der 1990er Jahre übernahm und zu einer ökologischen Landwirtschaft mit anerkanntem Inklusionsbetrieb ausbaute, wurde hier nachweislich seit dem 15. Jahrhundert eine Saline betrieben; auch eine Badeanstalt wurde im Jahr 1830 errichtet. Später wurde auf den Ländereien Landwirtschaft betrieben und das Gut überstand sogar mit wenigen Schäden den Zweiten Weltkrieg. Nach der Übernahme durch den DIAKONIA e.V. wurde das Stiftsgut Wilhelmsglücksbrunn zu einem Biohotel mit Restaurant und Café, Ferienwohnungen und eigener Bio-Landwirtschaft umgebaut. Heute besteht es aus sechs sanierten und teils neuen Gebäuden, die Hotelgästen wie auch täglichen BesucherInnen im Bistro ein naturnahes Freizeiterlebnis bieten.
Für die Sanierung der Bestandsgebäude wurde darauf geachtet, größtenteils ökologische Baustoffe aus der Region zu verwenden. Die Wände wurden organisch beschichtet und die Innenausstattung der Wohn- und Aufenthaltsbereiche ist aus Vollholz gefertigt. Zudem besteht der Fußboden in den Aufenthaltsbereichen aus Massivholzdielen. Einen besonderen Anteil an der Sanierung des Stiftsguts hatte Frithjof Karsten, Geschäftsführer des DIAKONIA e.V.. Er engagierte sich über die Maße hinaus und investierte Zeit und Herzblut in den Wiederaufbau.
Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf der nachhaltig biologischen Ausrichtung der Landwirtschaft und der Wiederherstellung des barocken Erscheinungsbilds. „Die Verwendung von ökologischen Baustoffen, selbsterzeugtem Strom und unsere ökologische Landwirtschaft tragen dazu bei, die Belastung für die Umwelt zu minimieren. Durch die konsequente Umsetzung der biologisch-organischen Arbeitsweise werden die Böden rekultiviert und selten gewordene Tierarten kehren zurück. Wir freuen uns beispielsweise jedes Jahr auf die Rückkehr unseres Storchenpaares“, begründet Frithjof Karsten seinen Ehrgeiz.
Das Herz des Hofes bildet das herrschaftliche Gutshaus. Das Gebäude stammt aus dem 18. Jahrhundert, der Blütezeit der damaligen Saline, und wurde seinerzeit als Fachwerkbau realisiert. Es wurde zwischen 2000 und 2001 denkmalgerecht saniert. Das Erdgeschoss wird als Frühstücksrestaurant für Hotelgäste und BesucherInnen genutzt, im ersten Obergeschoss befinden sich Räume für Veranstaltungen und im Dachgeschoss sind Hotelzimmer eingerichtet worden. Das Ziel der Sanierung war, so nah wie möglich an den Originalzustand des ländlichen Barocks heranzukommen und eine zeitgemäße, öffentliche Nutzung zu ermöglichen. Das Fachwerk samt Dachstuhl wurde in historischer Holzbauweise saniert. Die Gefache wurden mit einem handgestampften Lehm-Hanf-Gemisch und Lehmbauziegeln ausgefüllt. Die ursprüngliche Fenstersymmetrie wurde durch den Einbau neuer Fenster aus Eiche wieder hergestellt und die Wände mit Kalkputz von innen und außen verputzt. Zusätzlich konnten die Gauben und der Gutseingang zur Straße wieder hergerichtet werden. Das erneuerte Mansarden-Walmdach als baukulturelles Element der Südthüringer Architektur verleiht dem Hauptgebäude eine herausgehobene Stellung.
Nach der teilweisen Entkernung und dem Abriss von nachträglich eingebautem Mauerwerk wurde auch das Innere des Gutshauses nach historischem Vorbild nachgebildet. So wurden für die Diele und das erste Obergeschoss Eiche und Fichte als Bodenbelag gewählt und die Treppenanlagen in Eiche unter modernen Brandschutzvorgaben nachgebaut. „Durch die Verwendung von Eichen- und Fichtenholz und den Rückbau zu damaligen Strukturen konnten wir den barocken Stil des Guts wieder hervorholen“ erklärt Frithjof Karsten zufrieden.
Im Außenbereich wurden alte Sandsteinplatten und Bruchstein für die Erneuerung der Treppenanlagen verwendet. Zudem wurde ein barrierefreier Zugang geschaffen. Das historische Hofpflaster wurde anschließend rund um das Gutshaus verlegt.
Der alte Kuhstall mit seiner regionaltypischen, roten Klinkerfassade wurde saniert und 2017 durch einen Anbau an der Giebelaußenseite erweitert. Die Außenwände bestehen aus Stahlbeton bis Brüstungshöhe und anschließender Pfosten-Riegel-Fassade aus Holz. Im Erdgeschoss des ehemaligen Kuhstalls befinden sich ein Bistro und Hofladen mit vielen hofeigenen Produkten, eine hauseigene Käserei, eine Eismanufaktur und Werkstätten. Im ersten Obergeschoss sind 18 Hotelzimmer eingerichtet worden.
Mit der Sanierung und Umnutzung des Stiftsguts hat der DIAKONIA e.V. einen wichtigen Beitrag zum Erhalt traditioneller Baukultur geleistet. Das Biohotel Stiftsgut Wilhelmsglücksbrunn ist ein bemerkenswertes Beispiel dafür, die Aufwertung eines alten Gebäudes erfolgreich mit der Schaffung eines regionalen Erzeugerbetriebs zu verknüpfen.
Gut gelungen:
- Sanierung des Fachwerks samt Dachstuhl in historischer Bauweise
- Wiederherstellung der Fenstersymmetrie und des Mansarden-Walmdachs nach historischem Vorbild
- Erneuerung der Gestaltung im Innenbereich nach barockem Leitbild und Berücksichtigung moderner Brandschutzmaßnahmen
- Verwendung ökologischer, regionaler Baustoffe