Inhalt
Steckbrief
- Region
- Vorderrhön
- Kommune
- Dermbach
- Ortsteil
- Wiesenthal
- Bezeichnung
- Dorfmuseum
- Adresse
- Roßdorfer Straße 2
Gemeinsam erhalten
Dorf-aktiv-Museum in Wiesenthal
Am Wiesenthaler Dorfanger liegt das Dorf-aktiv-Museum, auch bekannt unter dem Namen Mangelshaus - wobei „Mangel“ im hennebergischen Dialekt für Anger steht. Das Fachwerkhaus stammt aus dem 18. Jahrhundert, damals im Besitz der Familie Volkmann. Ursprünglich eingeschossig, diente es als Wohn- und Geschäftshaus. Christine Volkmann betrieb hier eine Ladenstube, aus der sie Semmeln aus dem Nachbarort verkaufte. 1903 wurde das Gebäude verkauft und erhielt durch eine Erweiterung und Aufstockung seine heutige Erscheinung. Die untere Etage wurde bis an die Wehrmauer der benachbarten Kirche verlängert, eine weitere Etage aufgesetzt und ein Treppenhaus angebaut. Durch die Erweiterung der Grundfläche vergrößerte sich auch die Ladenfläche – die Ladenstube wurde zu einem Kolonialwarenladen. 1953 wurde das Haus mit verändertem Grundriss erstmals saniert und neu verputzt. Bis in die 1970er Jahre blieb der Kolonialwarenladen in Betrieb. Heute befindet sich das Gebäude im Besitz der Gemeinde Wiesenthal. Durch das Engagement des Vereins für Heimat- und Ortsgeschichte Wiesenthal e.V. konnte es instandgesetzt und 2013 als Dorf-aktiv-Museum eröffnet werden.
Nach jahrelangem Leerstand und zur Rettung vor dem Verfall begann der Geschichtsverein 2008 mit der Sanierung des Fachwerkhauses. Als erste Maßnahme erfolgte die Sicherung des Satteldaches inklusive des zur Straße gewandten, 1 Meter überstehenden Dachvorsprungs. Dieser war aufgrund eines Sturms abgebrochen. Die Gestaltung und Dacheindeckung erfolgten nach historischem Vorbild. Zudem war es notwendig, dass das sanierte Giebelfachwerk wieder mit den Durchzügen des Hauses verbunden wurde. Während die notwendigen Dacharbeiten von einer ortsansässigen Zimmerei ausgeführt wurden, übernahmen Vereinsmitglieder parallel die Reparaturen des Putzes in den Ausfachungen des Fachwerks sowie notwendige Malerarbeiten an der Fassade. „2009 ließen wir das gesamte Haus durch ein Architekturbüro begutachten, wobei herauskam, dass viele Teile des tragenden Fachwerks einen desolaten Zustand aufwiesen“ berichtet Regina Günther, langjährige Vorsitzende des Geschichtsvereins Wiesenthals.
So musste auf der Giebelseite, die der Kirche zugewandt ist, die abgängige Schwelle ersetzt werden. Eckständer und Rähmen hatten keinen Halt mehr – das restliche Fachwerk wurde abgestützt und die beschädigte Wand anschließend abgebrochen. Um einen erneuten Feuchtigkeitsstau zu vermeiden, fiel die Entscheidung, die vorherige massive Wand nicht wieder aufzubauen, sondern einen Betonträger auf Stelzen als Auflage des Fachwerks zu verwenden. Andere Schwellenbereiche konnten durch Teilaustausche erhalten werden. „Die vorhandenen Lehmsteine zur Ausfachung wurden von unseren Vereinsmitgliedern zur Wiederverwendung aufbereitet und später an gleicher Stelle wieder eingebaut“, erinnert sich Regina Günther.
Um den historischen Charakter der Fassade zu sichern, wurde darauf geachtet, dass das Fachwerk mit seinen Schmuckformen erhalten bleibt. Während die Erdgeschosszone durch die Zierfigur der K-Streben und Andreaskreuze geschmückt wird, setzen sich die später aufgestockten Etagen durch eine Variante des Andreaskreuzes mit Raute ab. Außerdem wurde der verputzte Buntsandsteinsockel wieder freigelegt und unterstreicht damit die für die Region typische Sockelbauweise. Durch die leichte Hangbebauung ist der Sockel auf der zur Straße ausgerichteten Seite des Hauses stärker ausgeprägt. Das alte Nebengebäude wurde samt Treppenanlage abgebrochen und anschließend neu aufgebaut. Zwei neue Außentreppen aus rotem Sandstein wurden neu gesetzt. Die für die Mauerauflage der Treppe benötigten behauenen Sandsteine, wurden bei der Sanierung des Dorfbaches gesichert und im Dorfmuseum wiederverwendet. Die historische Eingangstür konnte erhalten bleiben und wurde durch eine bunte Bemalung neu in Szene gesetzt.
Bis 2011 wies das Gebäude eine in den 1960er Jahren entstandene Fensterordnung auf. Bei Abbruchmaßnahmen während der Sanierung wurde die ursprüngliche Fenstergliederung aufgedeckt, die der Verein in fachwerksgerechter Ordnung rekonstruierte. Die benötigten Fenster wurden neu angefertigt. „Wir hatten Glück - es konnte eine ortsansässige Tischlerei gefunden werden, die mit traditionellen Maschinen, nach historischem Vorbild Fenster mit Dreiteilung herstellte“, erzählt Regina Günther. Passende Fenstergriffe erhielt das Museum von Bürgerinnen und Bürgern. Alle weiteren Holzfenster wurden abgeschliffen und neu gestrichen. Auch die zum Teil sehr alten Gläser konnten erhalten bleiben. Das Fachwerk des 1903 angebauten Treppenhauses wurde aufgrund seines maroden Zustands teilweise abgebrochen, durch neue Fachwerkbalken ergänzt und während der Sanierung ausgeglast, um dem Innenraum des Hauses mehr Tageslicht zu schenken.
Die ursprüngliche Einrichtung des Kolonialwarenladens wurde restauriert und originalgetreu wieder aufgebaut. Als Teil des Museums werden nun mit Dingen des täglichen Lebens Einblicke in die dörfliche Kaufmannsgeschichte gegeben.
Um den Erhalt dieses ortsbildprägenden Fachwerkhauses, direkt am Dorfanger gelegen, zu sichern, engagierten sich neben der finanziellen Unterstützung durch die Jagdgenossenschaft, der Mithilfe der Gemeinde, tatkräftiger Unterstützung ortsansässiger Unternehmen, privaten Spenden sowie der Förderung durch die RAG LEADER Wartburgregion e.V., viele Mitglieder des Geschichtsvereins sowie Bürgerinnen und Bürger. Dieser Einsatz zahlte sich aus - seit 2013 kann das Dorf-aktiv-Museum seine Türen öffnen. „Mit wechselnden Ausstellungen zur Wiesenthaler Ortsgeschichte und dem weitestgehend im Original erhaltenen Fachwerkhaus mit seinen baulichen Besonderheiten, dem alten Dorfladen, bietet das Haus den BesucherInnen die Möglichkeit in das Leben der Menschen in früheren Zeiten einzutauchen und Geschichte zu erleben“ lädt Regina Günther ein.
Gut gelungen:
- Wiederherstellung der historischen Fenstergliederung und Ergänzung von Fenstern nach historischem Vorbild
- Freilegung des Buntsandsteinsockels
- Sanierung des Fachwerks unter Beibehaltung markanter Gestaltungs- und Schmuckelemente
- Sicherung des Daches inkl. der Giebel
- Wiederaufbau von abgängigen Fachwerkteilen
- Weiterentwicklung der Schwellenzone zur Beständigkeit gegenüber Feuchtigkeit
- Erhalt und Restaurierung der historischen Ladeneinrichtung