Hofreite
Sünna

Steckbrief

Region
Vorderrhön
Kommune
Unterbreizbach
Ortsteil
Sünna
Bezeichnung
Hofreite
Adresse
Thomas-Müntzer-Straße 27

Ein Gespür fürs Detail

Sanierung einer denkmalgeschützten Hofreite in Sünna

Die Thomas-Müntzer-Straße, die Dorfstraße von Sünna, bildet mit der alten Handelsstraße Frankfurt-Leipzig einen T-förmigen Ortsgrundriss, was auf ein mittelalterliches Hufendorf hindeutet. Entlang der Straße reihen sich giebelständig zahlreiche Fachwerkhäuser aneinander, die in der Regel durch rückwärtig traufständige Scheunen ergänzt sind. Hier ist auch das Wohnhaus Thomas-Müntzer-Straße 27 zu finden, das Adrian Hehl für die Familie seiner Tochter denkmalgerecht umgebaut hat.

Das dreizonige Ernhaus wurde in Stockwerkrahmenbauweise realisiert und stammt aus dem 18. Jahrhundert. Eine dendrochronologische Untersuchung weist auf das Jahr 1736. Die markante horizontale Trennung von Erd- und Obergeschoss ist typisch für die Fachwerkbauten in Sünna. Ebenfalls weit verbreitet ist das hier anzutreffende Kehlbalkendach, ein Sparrendach mit mittigem Querbalken, der die Spannweite der Sparren halbiert.

Nachdem Adrian Hehl bereits in den 1990er Jahren das Fachwerkhaus in der Thomas-Müntzer-Straße 20 saniert hatte, bot sich 2005 die Möglichkeit, den vernachlässigten Bau direkt gegenüber zu erwerben. „Meine Frau war zunächst dagegen, aber ich konnte sie überzeugen, weil der Hof in früheren Generationen in Familienbesitz war,“ erzählt Adrian Hehl, der sich als Sachgebietsleiter bei der unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Fulda mit denkmalgeschützten Gebäuden auskennt.

Bis 2016 wurde der Fachwerkbau aufwändig saniert. Ein 1989 ergänzter, verputzter Anbau wurde abgerissen und so der ursprüngliche Hauseingang wieder sichtbar. Das Podest zum Ausgleich des Höhenunterschieds zwischen Hof und Flur wurde neu gesetzt. Die jetzt verbaute Eingangstür stammt aus einem Haus in Friedewald. Generell ist es Adrian Hehl gelungen, mit zahlreichen historischen Bauteilen aus anderen Ortschaften den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen. Der vorher verputzte Buntsandsteinsockel des Hauses wurde ebenfalls wieder freigelegt. Oberhalb des aus Sandsteinquadern bestehenden Schweinedunkelstalls wurde ein vorkragender Fachwerkaufsatz neu erstellt, nachdem der vorhandene Bau im Voreigentum zusammengestürzt war.

Adrian Hehl, Bauherr der denkmalgeschützten Hofreite in Sünna

Ein besonderes Augenmerk legte Adrian Hehl auf den Erhalt und die Wiederherstellung des Fachwerks und seiner künstlerischen Abwechslung. An der Giebelseite findet man als in der Region weit verbreitete Zierfigur den sog. Hessenmann, der als konstruktives und ornamentales Element zur Verstrebung der Fachwerkwände dient. Beeindruckend sind die beschnitzten Fußwinkelhölzer der Brüstung mit ihrer blauen Bemalung sowie die durch kleine herausgeschnitzte Herzen dekorierten Hängezapfen.
Besonders erwähnenswert und einzigartig in Sünna ist die Gestaltung des Brüstungsgefaches an der Traufseite des Wohnhauses. Neben einer Raute mit geraden Streben unter dem Fenster vom Ern finden sich hier vier verspielt wirkende Rauten mit unterschiedlich geschweiften Streben. Zwei Hessenmänner ergänzen die reiche Vielfalt des Fachwerks, dessen Gefache an vielen Stellen neu befüllt und verputzt wurden.

Auch das Schnitzwerk in den Deckenbalken zwischen Unter- und Obergeschoss ist sehenswert. Die Füllhölzer zwischen Rähm und Sockel sind reich verziert. Die Balkenköpfe sind mit einem Wulstprofil und einer rinnenförmigen Kerbe beschnitzt. Auf der Basis von Farbbefunden wurden die Schmuckelemente bunt bemalt. Die Eckständer an der Giebelseite wurden neu geschnitzt und anschließend mit Ökofarben bemalt.

Die Scheune, ein auf das frühe 19. Jahrhundert datierter traufständiger, auf einem Werksteinsockel ruhender Fachwerkbau mit Satteldach, wurde in traditioneller Weise mit wiederverwendeten Hölzern einer abgebrannten Vorgängerscheune errichtet – ein weiteres Beispiel für nachhaltige Restaurierung. Der vorher mit Ziegeln behangene Giebel der Scheune wurde freigelegt, so dass auch hier das Fachwerk wieder sichtbar wurde. Die Tore wurden nach alten Vorbildern neu gezimmert. Der Hof wurde nach historischem Vorbild komplett neu mit einem Mischpflaster aus Basalt und Sandstein hergestellt. Zur Begrenzung des Hofes wurden Sandsteinsäulen von einem anderen Objekt gesammelt und gemeinsam mit dem Holzzaun neu aufgebaut.

Auffallend ist ein Hausschild mit dem Hofnamen „Pammellersch“, was Pfannmüller bedeutet. In Sünna werden die historischen Hofnamen bis heute an den nächsten Bewohner vererbt, so dass diese einzigartige Tradition bis heute weiterlebt.

„Uns es war es sehr wichtig, viele Details wieder sichtbar zu machen,“ erklärt Adrian Hehl. „Dabei haben uns Fördergelder aus dem Denkmalschutz und der Dorferneuerung maßgeblich geholfen,“ motiviert er abschließend für eine behutsame Sanierung alter Fachwerkbauten. „Und ein behutsamer Umbau schafft auch etwas Verbindendes. Einen bedeutenden Anteil an der Sanierung des Wohnhauses und der Scheune hatte nämlich mein heutiger Schwiegersohn Christoph Lieding, der sich als hier tätiger Zimmermann im Laufe der Sanierung nicht nur in das Haus, sondern vor allem auch in meine älteste Tochter verliebte“, schmunzelt Adrian Hehl.

Gut gelungen:

  • Rückbau nicht entsprechender Anbauten und Ergänzung von Elementen nach historischem Vorbild
  • Sanierung des Fachwerks unter Beibehaltung markanter Gestaltungs- und Schmuckelemente
  • Aufarbeitung und stimmige Bemalung des reichhaltigen Schnitzwerks
  • Einbau von historischen Bauteilen anderer Objekte
  • Wiederherstellung des historischen Hofpflasters
  • Neue Einfriedung mit Sandsteinpfosten und senkrechtem Lattenzaun nach regionaltypischem Vorbild

Besonderheiten

Denkmalpreis des Wartburgkreises 2008