Inhalt
Steckbrief
- Region
- Werratal
- Kommune
- Gerstungen
- Ortsteil
- Untersuhl
- Bezeichnung
- Kita
- Adresse
- Untersuhler Straße 28
Mehr Platz zum Toben
Sanierung und Ausbau der Kinder-Arche in Untersuhl
Die Kinder-Arche Pfiffikus in Untersuhl wurde zwischen 2013 und 2015 saniert und um einen Anbau erweitert. Mit seiner Lage direkt neben der imposanten Rundkirche ist das heute als Kita genutzte, ehemalige Schulgebäude Teil des Denkmalensembles „Historischer Ortskern Untersuhl“. Aufgrund des gesetzlich geforderten Betreuungsanspruchs wurde die Kita-Erweiterung notwendig. Nach der Wiedereröffnung kann der DIAKONIA Evang. Betreuungs- und Hilfsverein e.V. als Betreiber die Betreuung von insgesamt 51 Kindern garantieren. Die Baumaßnahmen wurden über das Bundesprogramm Kinderbetreuungsfinanzierung gefördert und vom Architekturbüro Sauerbier|Wagner|Giesler sensibel begleitet.
Das an einem alten Handelsweg erbaute Fachwerkhaus hat eine lange Geschichte und beherbergte zu verschiedenen Zeiten schon eine Schule samt Lehrerwohnung und Kindertagesstätte, eine Bibliothek und ein Pfarr- und Gemeindehaus. Die Gebäudeproportion des Anbaus, wie auch die Dachform und Materialauswahl sollten die städtebauliche Umgebung aufgreifen und das Gefüge selbstbewusst und gleichzeitig harmonisch ergänzen. Das ehemalige Schulgebäude bestand vor der Sanierung und Erweiterung aus zwei Gebäudeteilen unterschiedlicher Errichtungszeiten mit unterschiedlichen Geschosshöhen und Konstruktionsqualitäten. Der ältere Gebäudeteil war in einem schlechten Zustand. Mehrere marode Balken mussten ausgewechselt werden. Der alte Lehmputz der Gefache wurde ausgebessert und komplett erneuerte Mauerwerkswände wurden mit Kalkputz verputzt. Das Fachwerk der Wetterseite war besonders betroffen. Nachdem die abgängige Schwelle erneuert wurde, konnte mit der Rekonstruktion begonnen werden. In Absprache mit der Denkmalschutzbehörde wurden die Fenster der Wetterseite vergrößert und diese mit senkrechten Lärchenhölzern verschalt, um die Bausubstanz besser zu schützen.
Die Sichtfachwerkfassade zum Innenhof wurde aufwändig saniert und denkmalschutzgetreu wieder hergestellt. Die Fenster wurden zusätzlich mit Holz umrandet, um die Fugen des Fachwerks zu schützen. Die Fachwerkbalken und die Holzverschalung des älteren Gebäudeteils wurden grau gestrichten und heben sich so von der Umgebung ab. Zur optischen Markierung der verschiedenen Gebäudeteile wurden die Lärchenhölzer des zweiten Gebäudeteils in einem dunklen grün gestrichten. Der zur Straßenseite beschädigte Sockel des Altbaus aus Buntsandstein wurde gereinigt und neu verfugt. Zusätzlich konnte die Travertintreppe erneuert werden und dient nun als Notausgang zur Straße. Der eigentliche Eingang zum Gebäude befindet sich auf der Hofseite im neuen Gebäudeteil.
Der Anbau wurde in Verlängerung der Straßenflucht realisiert und umfasst einen privaten Krippenbereich für 12 Kinder und drei Gruppenräume mit angeschlossenen Nebenzimmern. Der Neubau mit Außentreppe, Küche und Sanitärbereich ermöglichte eine funktionale Neuordnung und ein erweitertes Raumprogramm. Er ist in Anlehnung an die Wetterfront des Bestandsgebäudes mit einer Holzverkleidung aus Lärche gestaltet. Um auf die spezifische Dachform reagieren zu können, wurden beim Neubau Biberschwanzziegel verwendet. Durch ihre kleinere und flachere Form können sie gut auf die Dachform reagieren.
Die Innenwände des alten Fachwerkgebäudes wurden mit einem Gemisch aus Lehmputz und Kalkschlemme verputzt. Einige der Balken im Deckenbereich wurden freigelassen, um zum atmosphärischen Erlebnis des historischen Gebäudes beizutragen. Für die Fenster, Türen und Fußböden des gesamten Kindergartens wurde einheimisches Eichenholz verwendet. Auch sonst wurden die eingebauten Materialien und genutzten Gebäudetechniken unter ökologischen und nachhaltigen Gesichtspunkten ausgewählt. Eingebaute Akustikdecken in nahezu allen Räumen sorgen für einen angenehmen Geräuschpegel für Kinder und Mitarbeitende.
„Durch die Erweiterung der Kita konnte die Raumstruktur optimiert werden, ohne den historischen Charakter des Fachwerkbaus zu verlieren. Wir können den Kindern eine bessere Betreuung garantieren und alles ist ansprechend gestaltet. Ein schlichter Lattenzaun umrahmt die Kindertagesstätte und eine überdachte Pforte markiert den Eingang von Seiten der Rundkirche. Der Spielbereich ist für die Kinder mit einem Außenspielplatz und Sonnensegel gestaltet.“ erklärt Angela Wende, Leiterin der Kinder-Arche Pfiffikus, während sie die Kita liebevoll betrachtet. Ihr ist anzusehen, dass ihr die lange notwendige Sanierung und die nun geschaffenen Möglichkeiten am Herzen liegen.
Gut gelungen:
- Optische Einbettung des Neu- und Altbaus ins Stadtensemble
- Verwendung nachhaltiger und ortsnaher Materialien
- Verschalung der Wetterseiten mit Lärchenholz und Vergrößerung der Fenster auf der Wetterseite
- Umsetzung eines neuen Raumkonzepts im Inneren der Kindertagesstätte
- Erhalt historischer Strukturen durch die Sanierung des Bestandsgebäudes unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes