Inhalt
Steckbrief
- Region
- Werratal
- Kommune
- Bad Liebenstein
- Ortsteil
- Schweina
- Bezeichnung
- Ehemaliger Gasthof
- Adresse
- Altensteiner Straße 38
Wachgeküsste Ortsmitte
Krone in Schweina
Die „Krone“ in Schweina, einem Ortsteil der Stadt Bad Liebenstein, ist seit über 400 Jahren ein Ort der Gemeinschaft. Als ehemaliger Gasthof in zentraler Lage direkt am Markt fanden hier unterschiedlichste Veranstaltungen von Theateraufführungen, Schulabschlussfeiern bis hin zu Versammlungen der Gemeindevertretungen statt. 1995 war die „Krone“ noch Vereinslokal für mehr als 20 Vereine. Ab 2001 stand sie, eines der ältesten Gebäude in Schweina, leer, und drohte zu verfallen, bis 2011 die Rettung nahte. Eine Gruppe motivierter BürgerInnen tat sich zusammen und begann diesen Teil Ortsgeschichte zu sichern. „Wir konnten dem Zerfall nicht länger zusehen und haben mit zunächst zehn Personen die Bürgerinitiative Krone Schweina e.V. gegründet. Heute haben wir 26 Mitglieder unterschiedlichster Altersklassen – von 18 bis 91 Jahre ist alles vertreten. Gemeinsam kümmern wir uns seit der Gründung der Initiative jede Woche um die Sanierung des Denkmals“ berichtet Eike Biedermann, aktives Mitglied des Vereins. Klares Ziel: Die Krone soll schon während der Bauzeit zu einem Gemeinschaftsprojekt der Schweinaer BürgerInnen werden.
Doch zwischen der Vereinsgründung 2011 und dem Beginn der sensiblen, denkmalgerechten Instandsetzung des Kulturdenkmals vergingen weitere vier Jahre – ein Zeitraum, der jedoch nicht ungenutzt blieb. Um auf die Bedeutung und die Relevanz der Sanierung aufmerksam zu machen, engagierte sich die Bürgerinitiative im Rahmen des Wettbewerbs „Dörfer in Aktion“ der RAG LEADER Wartburgregion e.V., indem sie im Einverständnis mit der damaligen Eigentümerin das zweigeschossige Gebäude begehbar machte, die Fenster gestaltete und einen Ideenbriefkasten installiert hat, wo BürgerInnen ihre Vorstellungen und Wünsche für die Krone einreichen konnten. Ein Plakat mit der Aufschrift „Küsst mich wach!“ schmückte die Fassade. Die Aktion diente auch dazu, Spendengelder und Fördermittel für zukünftige Baumaßnahmen einzuwerben. Parallel dazu erfolgte die konzeptionelle Vorbereitung. Außerdem konnten im begrenzten Rahmen auch erste notwendige Sicherungsmaßnahmen vollzogen werden.
Die Gemeinde Schweina und die Stadt Bad Liebenstein ließen sich ebenfalls für die Zukunftspläne der Krone begeistern und unterstützten die Initiative durch die Begleichung der offenen Forderungen im Grundbuch. Dadurch ermöglichten sie, dass drei Mitglieder der Initiative als Eigentümergemeinschaft 2015 das Gebäude erwerben konnten. Von da an, stand der Sanierung nichts mehr im Weg.
Als eine der ersten Maßnahmen wurde 2016 der Abriss des rückwärtigen Saalanbaus durchgeführt. Dieser war erst zu späterem Zeitpunkt ergänzt worden, war jedoch in einem so desolaten Zustand, dass bereits der Einsturz drohte. Die Kosten für den Abbruch konnten durch eine LEADER-Förderung finanziert werden. Historische Baumaterialien, wie Balken, Dachziegel, Lehm- und Ziegelsteine, die geborgen werden konnten, wurden eingelagert und bei späteren Sanierungsarbeiten am Haupthaus wiederverwendet. „Nachhaltigkeit und Weiternutzung werden für uns großgeschrieben. Nicht nur, dass wir so die Materialkosten eingrenzen können, wir können auch den Erhalt baukultureller Geschichte fördern“ erklären die Vereinsvorsitzenden Dorothee Willer und Stefan Popp die Arbeitsweise und ergänzen: „Darüber hinaus ist uns der Einsatz von Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen besonders wichtig“. Die Arbeiten am Kulturdenkmal übernimmt die Bürgerinitiative eigenständig in stetig enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz. Einzig der Einbau der neuen Fenster sowie der Anschluss von Wasser, Abwasser, Sanitärtechnik und Strom erfolgte durch Fachfirmen.
Das für die Region typische Krüppelwalmdach mit den historischen roten Falzziegeln wurde im Bereich des Anbauabrisses wieder verschlossen. Gleichzeitig erfolgte das Schließen der Gebäuderückseite und die Beseitigung der Schäden an der Bausubstanz begann. Die abgängigen Schwellenbalken wurden ringsum erneuert sowie umfassende Reparaturen am beschädigten Fachwerk der gesamten Fassade durchgeführt. Die typische Schmuckform der K-Streben ziert sowohl das Erdgeschoss als auch das Obergeschoss. Die Balken erhielten einen Anstrich mit einer Farbe auf Leinölbasis, vermischt mit Umbra. Dieses Gemisch sorgt dafür, dass das Abblättern der Farbe verhindert wird.
Die Gefache wurden mit Lehmsteinen neu ausgefüllt. Alter Putz wurde entfernt, neuer Lehmputz und dann Kalkputz aufgetragen. Zum Schutz des Fachwerks an der Wetterseite wurde die Fassade mit Schindeln aus Lärchenholz verkleidet. Der typische Sandsteinsockel wurde gesäubert und neu verfugt. Auf der Traufseite mit der Eingangstür ist der Sockel verputzt. Die historische Treppe zum Eingang ist erhalten und wurde um das oberste Treppenpodest neu ergänzt.
Das Engagement und die Zusammenarbeit zahlen sich aus: 2020 mit dem Deutschen Nachbarschaftspreis ausgezeichnet, erhielt die Bürgerinitiative ein Preisgeld, das in weitere Sanierungsarbeiten investiert wurde. Dank dieser finanziellen Mittel konnte der in weiten Teilen gut erhaltene historische Terrazzoboden im Erdgeschoss abgeschliffen werden, vorhandene Mängel wurden ausgebessert. Erhalten und aufbereitet werden konnten auch die historischen Türen des ehemaligen Gasthofes sowie die Holzdielen im Obergeschoss.
Die Fenster mussten rundum erneuert werden. Die Auflage des Denkmalschutzes gab vor, dass sowohl die Anordnung beizubehalten ist als auch die Formate der Fenster nach historischem Vorbild nachzubilden. Es konnten jedoch technische Anpassungen vollzogen werden. Eingebaut wurden sprossengeteilte Holzfenster aus einheimischen Hölzern mit Isolierglas, um modernen Wärmeschutz zu gewährleisten.
Doch die Sanierung der „Krone“ ist noch nicht abgeschlossen. Unermüdlich werden die Arbeiten fortgesetzt, um den Mittelpunkt des sozialen Lebens wieder wachzuküssen. „Wir arbeiten klar nach dem Motto: Der Weg ist das Ziel. Es gibt immer etwas zu tun. Es dauert so lange wie es dauert. Wir bleiben dran, stets den Fortschritt im Blick, auch wenn Kompromisse beim Erhalt und der Wiederherstellung an der Tagesordnung stehen“ unterstreicht Eike Biedermann. Die alljährliche Beteiligung am Tag des offenen Denkmals sorgt dafür, dass die „Krone“ für die Öffentlichkeit auch schon während der Bauzeit zugänglich gemacht wird und das Interesse innerhalb der Gemeinde, aber auch überregional weiterwächst. Die Instandsetzung des ehemaligen Gasthofes „Zur Krone“ ist beispielhaft für einen Ort, der für den Gemeinschaftssinn wiederbelebt wurde – durch Initiative und gemeinschaftliches Handeln – also Zusammenhalt in allen Bereichen.
Gut gelungen:
- Instandsetzung der Schäden an der Bausubstanz
- Schließen der Gebäuderückseite und des Daches nach Abbruch eines Anbaus
- Sanierung des Fachwerks inklusive der Gefache
- Verkleidung der Wetterseite mit Holzschindeln
- Restaurierung von historischen Türen und Böden
- Wiederverwendung vorhandener Baustoffe
- Überwiegender Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen
Besonderheiten
Denkmalpreis des Wartburgkreises 2018
Deutscher Nachbarschaftspreis – Landessieger Thüringen 2020
Deutscher Nachbarschaftspreis – 3. Bundessieger 2020
Thüringer Denkmalschutzpreis 2023
Ehrenpreis der Denkmalpflege Wartburgkreis 2023
Deutscher Preis für Denkmalschutz 2024