Inhalt
Steckbrief
- Region
- Wartburg-Hainich
- Ortsteil
- Treffurt
- Bezeichnung
- Pfuhlshof
- Adresse
- Hessische Straße 18/19
Erinnerung leben
Pfuhlshof zu Treffurt
Die denkmalgerechte Sanierung des Pfuhlshofs zu Treffurt war für Bruno Schöpper ein Lebenswerk. 1991 erwarb er das Anwesen und lebte von da an mit seiner Familie auf dem Hof bis zu seinem Tod 2021. In diesen 30 Jahren restaurierte Bruno Schöpper die Hofanlage mit Hingabe in Eigenleistung und Unterstützung seiner Partnerin Gabi Schülken und Sohn Steffen Schülken. Auf den Grundmauern des zuvor abgebrannten Hauses wurde das Gebäude 1580 als Burgmannensitz errichtet. Den Namen „Pfuhlshof“ trägt er seit 1831 als Tobias Pfuhl den Hof erwarb. Durch die Lage an der östlichen Seite der Stadtmauer wurde diese auch in den Bau des hofeigenen Schafstalls integriert. Der Gutshof wurde 1967 von der Stadt Treffurt gekauft und in eine Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) umgewandelt. Dadurch schien das Schicksal des Pfuhlshof geschrieben – durch mangelnde Instandhaltungsmaßnahmen drohte jahrelang der Verfall.
Doch mit dem Erwerb durch Bruno Schöpper konnte es gelingen, diesen Teil der Treffurter Ortsgeschichte zu erhalten. Der ursprüngliche Vierseithof lässt sich aufgrund von Abrissen alter Stallungen heute beinahe mit einem Dreiseithof verwechseln. Generell standen die ersten Jahre im Zeichen von Rückbau und Erweiterung. So wurden die Gebäudeteile aus DDR-Zeiten, die von der LPG als Büroräume genutzt wurden, abgebrochen. Außerdem entstand ein neuer Gastraum am Westflügel des Gebäudes sowie ein Anbau am Haupthaus für sanitäre Räumlichkeiten. Bei den Neubauten wurde stets die historische Fassade des Haupthauses als Vorbild genommen, sodass ein ganzheitlicher, zusammengehörender Eindruck entstanden ist.
Die Fassade am Haupthaus war zwischenzeitlich verputzt worden. Bruno Schöpper und seine Familie entfernten den aufgebrachten Putz und sanierten die zum Vorschein gekommenen abgängigen Fachwerkbalken. Die Schwellenbalken wiesen zum Teil Wasserschäden auf und wurden ersetzt. „Eine Besonderheit an unserer Fassade ist die Verzierung der Fachwerkbalken. Um diese zu erhalten, haben wir darauf geachtet, beim Einsatz neuer Fachwerkbalken, die Flachschnitzereien zu rekonstruieren“ erzählt Steffen Schülken, der zusammen mit seiner Mutter seit dem Tod von Bruno Schöpper die Sanierung fortführt. Die Rankensymbole werden wenige Zentimeter tief in das Holz geschnitzt. Neben der Funktion als Fassadenschmuck war zu damaliger Zeit auch der Glaube daran gefestigt, dass durch die stellenweise Aushöhlung des Holzes die Austrocknung erleichtert wird und damit die Langlebigkeit des Fachwerks gesichert wird. Die Gefache wurden stellenweise mit Porenbeton ausgebessert. Anschließend erhielt das Gebäude einen neuen Kalk-Lehm-Putz.
Das ursprüngliche große zweiflügelige Tor als Verbindung zwischen Innenhof und öffentlichem Raum konnte nicht erhalten werden, wurde aber nach seinem historischen Vorbild nachgebaut und prägt farblich abgestimmt auf den Rest der Fassade die straßenseitige Ansicht des Hauses.
Ansonsten konnten alle alten Türen gesichert werden. Auch die Eingangstür, die sich durch wenige Stufen vom Straßenraum abhebt. Durch die aus Sandstein gefertigten Stufen zeigt sich ein einheitliches Bild mit dem für die Wartburgregion typischen Sandsteinsockel.
Zur Sicherung des Satteldaches mit den regionaltypischen roten Dachziegeln musste ein Großteil der Dachbalken erneuert werden. Die Dachziegel wurden wiederverwendet – eine Vorgehensweise, die sich durch die gesamten Sanierungsarbeiten zieht. „Wir haben immer gesammelt. Nachhaltigkeit und Wiederverwendung vorhandener Materialien hat für unser Projekt einen hohen Stellenwert. So besteht beispielsweise auch der Bodenbelag im angebauten Gastraum aus den Fliesen der alten evangelischen Kirche aus unserem Ort“ unterstreicht Gabi Schülken.
Ein weiterer essenzieller Teil der Sanierung des Pfuhlshofs ist die Umnutzung des ehemaligen Schweine- und Pferdestalls aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Räumlichkeiten mit einer Gewölbedecke im Erdgeschoss wurden zu einem Festsaal für unterschiedliche Veranstaltungen umgebaut. „Wir möchten den Pfuhlshof für Gäste öffnen und Raum für kulturelle Angebote schaffen“ erläutert Steffen Schülken. Im Obergeschoss werden die Räume temporär als Lagerflächen für Baumaterialien genutzt. Zukünftig ist hier Wohnraum geplant, der als Hotel oder Ferienwohnungen angeboten werden soll. Um die Zugänglichkeit des Obergeschosses zu gewährleisten wurde der vorhandene Laubengang restauriert und über die gesamte Gebäudelänge erweitert. Die Brüstung am Laubengang ist aus Holz gefertigt – hier wurde die häufig auch an regionalen Fachwerkfassaden zu findende Schmuckform des Andreaskreuzes integriert. Zweiteilung zeigt sich auch in der Fassadengestaltung. Während der Klinker in der Erdgeschosszone erhalten und gesäubert wurde, ist im Obergeschoss Fachwerk zu finden.
Die Sanierung des Pfuhlshofs ist bedeutend dafür, dass nicht nur ein Zeugnis historischer Baukultur gesichert bleibt, sondern ein Ort der mit den Funktionen Wohnen, Kultur und Begegnung belebt wird.
Gut gelungen:
- Freilegung und Sanierung des Fachwerks
- Umnutzung von Stallungen zu Gasträumen
- Anbau im Innenhof nach historischer Fassade
- Erneuerung der Dachbalken
- Rekonstruierung der Fachwerkverzierungen
- Erhalt historischer Türen
- Neupflanzung von Bäumen
- Wiederverwendung von Baumaterialien
Besonderheiten
Denkmalpreis des Wartburgkreises 2023