Wohnhaus
Hallungen

Steckbrief

Region
Wartburg-Hainich
Ortsteil
Hallungen
Bezeichnung
Wohnhaus
Adresse
Thomas Müntzer Straße 9

Tradition verpflichtet

Sanierung eines Dreiseithofs in Hallungen

Im kleinen Straßendorf Hallungen westlich des Hainichs befindet sich der Dreiseithof von Sophie Schmidt. Nahe des Lämpertsbach hatte die Ortschaft schon zu frühgeschichtlicher Zeit eine bedeutende Stellung entlang einer wichtigen Handelsroute. Das unter Denkmalschutz stehende Fachwerkgebäude ist seit der Erbauung im Jahr 1761 in Familienbesitz und ging vor wenigen Jahren an Sophia Schmidt über. Die junge Architektin führt nach einigen Jahren des Baustillstands die Sanierung mit ihrer Mutter, selbst auch freischaffende Architektin, weiter.

Das Grundstück liegt am Hang und läuft nach oben hin steil zu, weshalb die Gartenfläche terrassiert ist. Es verfügt über einen Obstbaumgarten und eine Wiese für Schafe und Ziegen. Die Bebauung des Dreiseitenhofs folgt dem regionalen Muster aus einem zentralen Hof mit Begrenzung zu den Seiten durch eine traufständige Scheune parallel zur Straße und einem giebelständigen Wohnhaus. Das Fachwerkhaus ruht auf einem Sockel aus örtlich gebrochenem Quadermauerwerk aus Muschelkalk. Mit seinem grünen Fachwerkanstrich orientiert es sich am ortstypischen Bild Hallungens. Zur Straße hin wird der Hof durch ein Tor aus Lärche und eine Betonumwehrung mit Palisadenzaunband begrenzt.

Nachdem das Haus bis 1991 bewohnt war, begann ab 2002 unter Leitung der Mutter Andrea Schmidt eine etappenweise Sanierung des Dreiseitenhofs. Unter anderem wurden die Waschküche und der ehemalige Stall abgerissen und die abgängige Schwelle erneuert. Nach den ersten Sanierungsschritten wurde das Projekt bereits 2003 mit dem Denkmalschutzpreis des Wartburgkreises ausgezeichnet. Seit zwei Jahren setzt Sophia Schmidt die Sanierungsarbeiten mit Förderung aus der Dorfentwicklung fort. „Es muss am Ende nicht alles perfekt sein“ so die Architektin, „ein altes Bestandsgebäude wird kein Neubau mehr werden und das darf auch nicht die Erwartungshaltung sein“.

Bauherrin Sophie Schmidt und ihre Mutter Andrea

Mehrere Balken mussten zunächst erneuert werden. Die Dachkonstruktion als Kehlbalkendach wurde im Zuge der Sanierung aufgedoppelt und mit Schilf gedämmt. Für die Eindeckung wurden ortstypische Thüringer Fittichziegeln gewählt. Die südwestliche Fachwerkwand des Wohnhauses musste aufgrund abgängiger Balken und Gefache im Gesamten erneuert werden. Auf der südlichen Traufseite des Wohnhauses wurde nach Rückbau eines Nachbargebäudes die Wand wieder in Fachwerk hergestellt. Für diese und weitere Ausbesserungen an der Fachwerkkonstruktion wurde Eichenholz aus der Region genutzt. Neue Ausfachungen wurden mit Leichtlehmstein ausgeführt und von innen mit einer Dämmebene aus Perlitleichtlehmsteinen hintermauert. Zu typischen Gestaltungselementen des Hauses gehören der Wilde Mann am Obergeschossfachwerk sowie einfache Schnitzereien und die farbige Gestaltung der Balkenköpfe. Als Zierde dienen rote Linien in den Gefachen.

Die in den 1970er Jahren eingebauten Fenster ohne Teilung wurden in Anlehnung an die vormalige Fenstergliederung durch denkmalverträgliche Sprossenfenster mit Zweischeibenverglasungen im Erdgeschoss bzw. Kastenfenster im Obergeschoss ersetzt. Die neuen Fenster, wie auch die Außentüren sind aus unbehandelter Lärche. Die alten Innentüren des Wohnhauses blieben erhalten, um den Charme der letzten Jahrhunderte aufrecht zu erhalten. „Durch die Sichtbarkeit der Rohmaterialien wird die Darstellung des lange tradierten Wissens der Bauweise wieder sichtbar“ erzählt Sophia Schmidt. „Die Überlagerungen der Bauzeiten dürfen gerne sichtbar bleiben. Das Haus hat vieles erlebt und genau das macht dieses Gebäude aus.“

Da Lehm lange speichert und gut zurückgibt, wurden für Dämmung im Inneren des Wohnhauseses Leichtlehmsteine gewählt. Zusätzlich wurden die Wände der Wohnräume mit einer Schlaufenheizung versehen, welche direkt in den Lehmputz eingearbeitet wurde. Der erdberührte Fußboden wurde durch die Verwendung von Schaumglasschotter gedämmt und in diesen Räumen des Erdgeschosses mit einer Bodenheizung versehen. Für die notwendigen Ergänzungen der Deckenfüllungen wurden Lehmwickel verwendet, welche in die Leerräume zwischen den Deckenbalken eingearbeitet wurden.

Zu der Wärmepumpe soll im nächsten Schritt eine unterstützende Photovoltaikanlage verbaut werden. In Absprache mit der Denkmalschutzbehörde stellt die Anbringung der Solaranlage auf der straßenabgewandten Dachfläche kein Problem dar. Nach Abschluss der Arbeiten soll das historische Kalksteinpflaster wieder sichtbar werden. Nach der Fertigstellung möchte Sophia Schmidt den Dreiseithof nicht selbst nutzen, sondern an Interessierte zum Probewohnen vermieten. „Ich möchte Personen in ihrer Entscheidung unterstützen, den Mut zu fassen, selbst ein historisches Gebäude in der Wartburgregion zu sanieren“, erklärt die Architektin ihre Pläne

Gut gelungen:

  • Wiederherstellung der Gefache und Balkenkonstruktionen
  • Ersatz der Fenster in Anlehnung an das historische Vorbild
  • Innendämmung der Außenwände mit Leichtlehmsteinen
  • Verarbeitung von ortstypischen und regionalen Materialien
  • Wiederverwendung/ReUse von Bauteilen

Besonderheiten

Auszeichnung mit dem Denkmalpreis des Wartburgkreises 2003