Tourist-Info
Ruhla

Steckbrief

Region
Thüringer Wald
Ortsteil
Ruhla
Bezeichnung
Tourist-Info
Adresse
Neuer Markt 1

Neuer Markt als neue Stadtmitte

Tourist-Info Ruhla

Dicht an dicht gedrängte Häuser bis an die Berghänge Ruhlas, enge Gassen und kleine Innenhöfe. So sah der heutige Marktplatz vor seiner Neuplanung aus. Um die begrenzte Fläche im Kerbtal attraktiv zu nutzen, war für eine Stadtmitte mit zentralem Platz kein Raum verfügbar. Erst durch eine Umstrukturierung und dem damit verbundenen Abriss abgängiger Gebäude konnte der Neue Markt entstehen. Das heutige Zentrum des Platzes bildet ein nach historischem Vorbild sanierter, zweistöckiger Fachwerkbau, in dem die Naturpark- und Tourist-Information Ruhla ein Zuhause gefunden haben.

Nachdem die Stadt einige Gebäude des ehemaligen Quartiers der heutigen Stadtmitte erworben hatte, wurde Anfang der 2000er Jahre mit dem Abriss von Nachbargebäuden, der Schaffung des Platzes und der Sanierung des Fachwerkgebäudes begonnen. Während der Bauzeit bis 2006 wurde das ehemalige Wohnhaus und Fischlädchen vollständig entkernt, architektonische Besonderheiten wurden herausgearbeitet und nach historischem Vorbild erneuert. Auffallend ist der zweifach auskragende Giebel, der dem Gebäude Lebendigkeit verleiht und mit seiner Farbgebung zur Attraktivität des Platzes beiträgt.

Im Zuge der Sanierung wurden die Schieferverkleidung in den Obergeschossen und der Putz im Untergeschoss entfernt. Ergebnisse einer Bauschadenanalyse zeigten, dass einige Wände instabil waren und erneuert werden mussten. Als Maßnahmen wurden massive Außenwände realisiert und die Gefache mit modernen Baustoffen nach historischem Vorbild erneuert. Durch erneuerte Streben sind auf der Traufseite die für das Fachwerk charakteristischen dekorativen Elemente des wilden Mannes und auf der Giebelseite der halbe Mann wieder sichtbar. Außerdem konnte als charakteristisches Fachwerkelement die Thüringer Leiter wieder aufgearbeitet werden.

Elke Schmidt, ehemalige Leiterin des Bauamts Ruhla

Die farbige Bemalung unterstreicht als dekoratives Element den thüringisch-fränkischen Fachwerkstil. Der Bereich zwischen Rähm und Saumschwelle ist insbesondere auf der Giebelseite reich verziert. Die Balkenköpfe sind mit einem Wulstprofil und einer rinnenförmigen Kerbe beschnitzt. Auf der Basis von Farbbefunden wurden die Kerbenelemente wieder bemalt, ebenso wie die Spiralen der Eckständer an der Giebelseite. Sie betonen die Stabilität des Fachwerks und setzen gleichzeitig einen kunstvollen Akzent. Abgerundet wird das Gesamtbild durch die rote Fensterumrahmung, die das Gebäude schon aus Entfernung zu erkennen gibt.

Im Dachgeschoss ergab sich durch statische Berechnungen die Notwendigkeit einer neuen Dachkonstruktion, wodurch das steile Satteldach erneuert und die Gesamtkonstruktion stabilisiert wurde. Die Wetterseite wurde nach historischem Vorbild mit einem Naturschieferplattenbehang verkleidet.

Durch die anspruchsvollen neuen öffentlichen Funktionen des Gebäudes wurden auch in den Innenräumen eine Reihe Maßnahmen notwendig. Die vielen kleinen Räume aus der früheren Nutzung als Wohnung und Fischladen erwiesen sich für die neuen Anforderungen als ungünstig. Nachträglich eingebaute Fliesenbelege und Panellenverkleidungen wurden entfernt. Materialien aus Fußböden und Decken wurden entnommen, um den modernen Anforderungen an Raumhöhen nachzukommen und das Gebäude zusätzlich zu entlasten. Da die Decke des Erdgeschosses durch die neue öffentliche Nutzung einer höheren Last ausgesetzt wird, wurde die Deckenkonstruktion verstärkt. Die Treppe zur inneren Erschließung wurde erneuert, um der stärkeren Auslastung standzuhalten.

Die Sanierung des im 17. Jahrhundert gebauten Gebäudes konnte von der Stadt Ruhla durch Städtebaufördermittel und die Unterstützung des „Naturpark Thüringer Wald“ möglich gemacht werden. Die Mittel des Naturparks flossen insbesondere in die Ausstattung innerhalb des Gebäudes, während die Bundesmittel hauptsächlich für die Sanierung der historischen Fassade genutzt wurden. Das Untergeschoss wird für die Tourist-Information und das Obergeschoss für die Naturparkausstellung mit Erlebnishöhle genutzt. Das Dachgeschoss umfasst Büros, einen Aufenthaltsraum und Sanitäranlagen.

„Der Naturpark-Informationspavillon fungiert nicht nur als Herzstück für Ruhlas neu geschaffenen Marktplatz, sondern auch als Zeugnis der regionalen Bautradition. Die Platzstruktur geht vor allem auf die ehemals bestehenden Raumbezüge Ruhlas zurück. So wurden Raumkanten durch die Baumbepflanzung nachgeahmt und die Wasserrinne dient als symbolische Darstellung des die Stadt ursprünglich teilenden Erbstroms“, berichtet Elke Schmidt, ehemalige Leiterin des Bauamts Ruhla, die auch im Ruhestand noch gerne an die Sanierungsarbeiten zurückdenkt. Die in der Wasserrinne positionierten Figuren werden von den BewohnerInnen Ruhlas liebevoll „Elli und Heinz von der Rinne 1“ genannt.

Gut gelungen:

  • Verkleidung der Wetterseite mit Schieferplattenbehang
  • Erneuerung der Gefache und Stützbalken
  • Rekonstruktion der Gestaltungselemente der Thüringer Leiter, des wilden Mannes und des halben Mannes
  • Wiederherstellung historischer Bemalungen
  • Schaffung eines neuen Platzes mit historischem Fachwerkhaus als Mittelpunkt