Leitlinien

Antlitz und Fassade

Vortreppen und Vorterrassen

Vortreppen mit Stufen aus Naturstein

Vortreppen vor der Haustür erfüllen mehrere Funktionen: Sie grenzen den privaten Bereich vom öffentlichen Raum ab und betonen gleichzeitig den Hauseingang. Die Stufen der Vortreppen bestehen in der Regel aus Naturstein. Ihre Anzahl variiert je nach Höhe des Sockels oder des Geländes, sodass der Zugang zum Haus stets gewährleistet bleibt.

Vorterrassen als Übergang zwischen Vortreppe und Türschwelle sind häufig gar nicht vorhanden, und wenn doch, fallen sie eher klein aus. Oft ähneln sie eher einem Austritt oder einer vergrößerten Treppenstufe.

Fassadengliederung

Verzierte Gebälkzone

Die Fassadengliederung aller Ansichten zeichnet sich durch eine klare Abfolge aus: Der Natursteinsockel bildet die Grundlage, gefolgt von einer Backstein-Rollschicht und der anschließenden Fachwerkschwelle. Vorkragende Obergeschosse werden durch verzierte Gebälkzonen betont, die der Fassade Struktur und Tiefe verleihen. Besonders prägend für die Ansicht eines Zweiseithofes ist der Giebel des zwei- oder eingeschossigen Wohnstallhauses.

Türen

Hauseingangstüren sind oft aufwendig gestaltete Elemente

Die Hauseingangstüren in der Wartburgregion sind oft das aufwendig gestaltete Element der Fassade und wurden mit viel Sorgfalt von den HandwerkerInnen des jeweiligen Dorfes gefertigt. In ihrer Hauptform orientieren sie sich an der Fachwerkgestaltung, indem Pfosten und Rahmenhölzer die gleiche Dimension wie das Balkenwerk aufweisen und die Knaggen im Oberteil die charakteristische Biegung des Fachwerks widerspiegeln.

Im 18. Jahrhundert waren Hauseingangstüren häufig mit Verdachungen oder Rund- bzw. Spitzbögen versehen. Die Türblätter sind in zwei Teile unterteilt, um Licht ins Haus zu lassen oder für Belüftung zu sorgen – eine frühe Form des Oberlichts, da Verglasungen zu dieser Zeit noch nicht üblich waren. Diese Türen wurden oft als „Klöntüren“ bezeichnet, da die obere Hälfte geöffnet werden konnte, um Gespräche mit NachbarInnen zu führen, ohne die gesamte Tür zu öffnen.

Im 19. Jahrhundert gewann die Haustür zunehmend als Portal an Bedeutung. Sie bestand häufig aus einem Doppelflügel, war von Schmuckelementen umrahmt und hatte meist ein Oberlicht zur Verglasung. Über dem Türbalken fanden sich häufig Sprüche, Jahreszahlen oder der Name der BesitzerInnen, seien es die Erbauenden oder spätere EigentümerInnen.

Scheunentüren hingegen wurden durch Stabbretter, aufgesetzte Leisten sowie handgeschmiedete Bänder und Nägel verziert.

Fenster

Holzfenster mit feststehenden Gläsern und beweglichen Elementen

Zwischen Pfosten und Schwellen verbaut, werden Fenster auch als „Augen des Hauses“ bezeichnet, da sie die Fassade gliedern. Historisch wurden meist kleine Fenster verbaut, um eine Überbelichtung der Innenräume zu vermeiden. Die Fensteröffnungen im Obergeschoss sind nahe der Traufe positioniert.

Typische Formen sind Schlitzrahmenfenster, die aus vielen feststehenden Gläsern und nur wenigen beweglichen Elementen bestehen, in der Regel mit Klapp- oder Schiebeflügel. Schlitzrahmenfenster mit Bleiverglasung stammen vor allem aus dem 17. Jahrhundert und sind heute nur noch sehr selten erhalten. Im 18. Jahrhundert wurden sie zudem oft mit barocken Beschlägen verziert.

Mit dem Übergang ins 19. Jahrhundert fanden Fenster mit Kittfalzen und Klappflügeln zunehmend Verwendung. Fensterläden dienten ursprünglich dazu, die Stube vor Wind, Wetter und starker Sonneneinstrahlung zu schützen, aber auch um eine übermäßige Abkühlung in der Nacht zu vermeiden.

Impulse für die Zukunft.

  • Vortreppen, meist aus Naturstein gefertigt, übernehmen mehr als nur die Funktion der Höhenüberwindung, um den Zugang zum Gebäude zu ermöglichen, sie schaffen zugleich eine einladende Geste. Mit sorgfältiger Gestaltung lässt sich der Übergangsbereich zwischen öffentlicher Straße und privatem Gebäude wirkungsvoll markieren.
  • Die klare Gliederung von Sockel aus Naturstein über die Schwelle bis hin zum Fachwerk aus Holz und Lehm strukturiert die Fassade und prägt ihr Erscheinungsbild. Sie bietet Orientierung für heutige Sanierungen und Umbauten.
  • Als schlichtes oder reich verziertes Element prägen Türen die Fassadengestaltung und erzählen von handwerklicher Tradition. Deshalb lohnt es sich, den Erhalt und die behutsame Neugestaltung zu fördern.
  • Schlitzrahmenfenster sorgen nicht nur für Licht im Gebäudeinneren, sondern spiegeln auch Bauzeit und ästhetische Vorstellungen wider. Ihr Erhalt oder die sensible Anpassung ihrer Gestaltung trägt wesentlich zum historischen Charakter des Hauses bei.