Leitlinien

Freiraum, Hof und Garten

Zaun und Einfriedung

Lattenzaun

Anwesen in der Wartburgregion sind meist von Latten- beziehungsweise Staketenzäunen umgeben. Durch diesen Zaun führen sowohl eine Handpforte als auch eine Torfahrt, die den Zugang zum Hof ermöglichen. Die Handpforte bietet einen separaten Eingang für FußgängerInnen, die Torfahrt dient der Zufahrt von Fahrzeugen. Die Zaunelemente aus Holz sind in Kombination mit Steinpfosten gegliedert.

Tor

Toranlagen schließen direkt an giebelständige Häuser an

Toranlagen schließen direkt an giebelständige Häuser an und bilden so den Übergang zwischen Privatgrundstück und öffentlichem Straßenraum. Sie bestehen aus einer Toranlage mit einer Torfahrt und einer Hofpforte, die den Zugang sowohl für Fahrzeuge als auch für FußgängerInnen ermöglichen. Die Doppelflügel der Einfahrt bieten ausreichend Platz für Fahrzeuge, während der separate Eingang zur Haustür einen direkten Zugang zu Fuß sicherstellt.

Vorgarten

Vorgärten als Übergang zwischen privatem und öffentlichem Raum

In manchen Dörfern und Höhenlagen der Wartburgregion hatte die Hausvorfläche traditionell die Funktion, den Schnee aufzunehmen, der beim Freilegen der Wege und Eingänge anfiel. Im Sommer hingegen wurden in vielen Gegenden dorftypische Stauden und Kräuter angepflanzt, die das Bild der Vorgärten prägen. Häufig rückt der Vorgarten aus der Häuserflucht in die Straße hinein und bildet damit den Übergang zwischen privatem und öffentlichem Raum.

Typische und traditionelle Pflanzen, die in diesen Gärten zu finden sind, sind Schneeglöckchen, Lilien, Rittersporn, Malven, Liebstöckel und Flieder. In engen Straßendörfern sind Vorgärten meist nur als schmale Streifen angelegt, die bepflanzt werden, jedoch keine weitere Nutzung aufweisen.

In vielen Gegenden Westthüringens sind die Vorgärten heute oft asphaltierte oder betonierte Flächen, die vor allem dem Abstellen von Autos dienen. Die Bepflanzung beschränkt sich häufig auf wenige Pflanzkübel.

Nutzgarten

Geometrischer Aufbau

Nutzgärten innerhalb der Wartburgregion entwickelten sich in ihrer Grundstruktur aus den kreuzförmig angelegten Klostergärten heraus und zeichnen sich durch einen klaren, geometrischen Aufbau aus. Ursprünglich dienten diese Gärten der Produktion von Obst, Gemüse, Küchenkräutern und Blumen, die für die Versorgung des Haushalts unverzichtbar waren. Im Laufe der Zeit änderte sich diese Nutzung jedoch, da die DorfbewohnerInnen nicht mehr auf die Produkte und Lebensmittel des eigenen Gartens angewiesen waren. So gewann der Privatgarten zunehmend an Bedeutung als Erholungsraum, der wenig Pflege erfordern sollte. Heute ist ein Trend zurück zum klassischen Nutzgarten zu beobachten. Die Gartenarbeit und der Anbau von Lebensmitteln werden zunehmend wieder als Freizeitbeschäftigung und Bereicherung geschätzt.

Baumbestand

Vorrangig wurden Laubgehölze gepflanzt

Traditionellerweise gehört zu jedem Bauernhaus ein „Hausbaum“, der vor allem als Schattenspender, aber auch als Nahrungsquelle für Menschen und Tiere dient, Schutz für landwirtschaftliche Geräte bietet und zudem eine raumbildende Wirkung entfaltet. Vorrangig wurden Laubgehölze gepflanzt, die den Garten oder das Anwesen prägten. Besonders häufig waren Linden zu finden, deren Blättern und Blüten geheimnisvolle Kräfte nachgesagt wurden. Im Kontrast dazu sind die Dorfstraßen oft baumlos.

Impulse für die Zukunft.

  • Typisch für die Wartburgregion sind Latten- bzw. Staketenzäune. Sie betonen den Übergang zwischen privat und öffentlich und tragen mit ihrer traditionellen Materialwahl zur Gestaltung des Ortsbildes bei.
  • Tore bilden den ersten Eindruck eines Grundstücks. Es empfiehlt sich, die Aufteilung in Torfahrt und Handpforte beizubehalten, da sie den Zugang für alle Nutzergruppen übersichtlich macht.
  • Eine bewusste Pflanzung trägt zur Artenvielfalt und Atmosphäre im Straßenraum bei. Es lohnt sich, auch kleine Vorgärten mit Stauden und Kräutern zu bereichern.
  • Die Anlage und Bewirtschaftung machen Gärten zu einem lebendigen Teil ländlicher Freiräume. Dabei verbinden sie Gestaltung, Selbstversorgung und Freizeitwert.
  • Ob Schattenspender, Lebensraum, Nahrungslieferant oder gestalterisches Element – Baumbestände erfüllen vielfältige Funktionen und Bedeutungen. Ihr Erhalt stiftet Identität, verleiht dem Grundstück Charakter und wirkt in den öffentlichen Raum hinein.