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Materialien
Der Einsatz vorhandener Baustoffe wie Lehm, Holz und Stein war zu Zeiten der Siedlungsgründungen in der Wartburgregion elementar und stellte über lange Zeit hinweg die einzige Möglichkeit dar, nachhaltige und funktionale Bauwerke zu errichten. Diese natürlichen Materialien waren nicht nur leicht zugänglich, sondern auch an die klimatischen und geologischen Bedingungen der Region angepasst. Lehm, als feuchtigkeitsregulierender und wärmedämmender Baustoff, Holz für Stabilität und Konstruktion sowie Stein für die Robustheit und Langlebigkeit der Sockel prägen die Bauwerke.
Ausfachungen, Gemäuer und andere Konstruktionen in Lehm, Ziegel, Holz, Stein, Schiefer
In der Wartburgregion zeigen sich unterschiedliche Bauweisen, die sowohl in Reinform als auch in Mischform auftreten. Eine der weitverbreitetsten Bauarten ist der Fachwerkbau, bei dem vor allem regionale Holzarten wie Tanne, Fichte, Kiefer oder Eiche verwendet werden. Die Hölzer wurden dabei oft vierseitig bebeilt und als Vollquerschnitt verbaut.
Die Fachwerkkonstruktion selbst besteht aus Stielen und Streben zur Aussteifung, die zwischen der Schwelle und dem Rähm sowie Kopf- und Fußbändern und Riegelketten miteinander verbunden sind. Jedes Holzteil im Fachwerk erhält eine Zahl, die seine Lage im System bezeichnet. Diese Hölzer werden mit Holznägeln, die in vorgebohrte Löcher geschlagen werden, miteinander verbunden. Die obere Riegelebene des Fachwerks wird meist umlaufend vernagelt, während auch die Eckstiele und die Stiele der Bundwände zusätzliche Vernagelungen erhalten.
In das Gefache des Fachwerks werden in der Regel stehend hölzerne Knüppel, sogenannte Staken, eingefügt, welche dann mit Strohlehm umfüllt und die Fläche anschließend geglättet wird. Selten wurden die Gefache auch mit Natursteinen oder Kunststeinen gefüllt; in wenigen Fällen erfolgte eine vollständige Verputzung des Fachwerks, um eine Steingebäudestruktur nachzuahmen.
Neben dem Fachwerkbau sind auch Massivbauten aus Naturstein, Lehm oder Ziegel verbreitet. Ab dem 19. Jahrhundert wurden zunehmend Lehmsteine für den Bau verwendet, wobei in älteren Gebäuden vor allem ungebrannte Lehmsteine zu finden sind. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam der Ziegelbau auf. Beim Lehmmassivbau wurden die Wände lagenweise aufgeschichtet und anschließend abgestochen, wobei sichtbare Rillen die Art dieser Fertigung veranschaulichen. Der Stampflehmbau, der ab etwa 1900 vereinzelt angewendet wurde, ist an den in den Wänden eingebauten Ziegelsteinen zu erkennen.
Eine weitere traditionelle Bauweise ist der Ständergeschossbau, der aus Vollholzstämmen errichtet wird. Hiervon sind jedoch nur noch wenige Gebäude in der Wartburgregion erhalten, welche ausschließlich in den Städten in Form von Bürgerhäusern zu finden sind.
Als Variante erfolgt der Witterungsschutz der Fassaden auf der wetterzugewandten Seite häufig durch einen Ziegelbehang oder eine senkrechte Holzverschalung, die mit Abdeckleisten versehen ist. Auch Holzschindeln sowie Verschieferungen und geprägte Blechschindeln (sogenannte Wettbretter) kamen zum Einsatz.
Impulse für die Zukunft.
- An das Klima, die Landschaft und die Verfügbarkiet angepasste Materialien bildeten über Jahrhunderte die Grundlage des Bauens in der Wartburgregion. Lehm als feuchtigkeitsregulierender und wärmedämmender Baustoff, Holz für die Konstruktion sowie Stein für die Beständigkeit der Sockel. Auch heute bieten diese Materialien noch großen Nutzen für nachhaltiges und ortsbezogenes Bauen.
- Das Fachwerk steht für bewährte Konstruktion mit gestalterischer Qualität. Der klare Aufbau und die flexible Nutzbarkeit ermöglichen es, auch moderne Interpretationen zuzulassen und so Tradition mit Neuinterpretation zu verbinden.
- Verschalungen und Verkleidungen zeigen, dass funktionaler, regionaltypischer Witterungsschutz aus Ziegel, Schiefer oder Holz gleichzeitig als gestalterisches Element eingesetzt werden kann.